2. Unternehmernetzwerk - Von Gewinnern und Verlierern: Ein Unterschied von nur 10 Zentimetern

Was haben Sportler und Akteure aus der Wirtschaft gemeinsam? Wie kann man die sportliche Laufbahn mit beruflichem Erfolg unter einen Hut bringen? Diese und weitere Fragen wurden beim 2. Unternehmernetzwerk der Sportregion Rhein-Neckar aus ver-schiedenen Perspektiven beleuchtet – das Resümee ist positiv.

Am Donnerstag, den 17. Oktober 2019 lud der Verein Sportregion Rhein-Neckar bereits zum zweiten Mal zum Unternehmernetzwerk bei SAP SE in Walldorf ein und begeisterte über 60 Vertreter aus unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen der Metropolregion Rhein-Neckar mit spannenden Vorträgen und einer Gesprächsrunde. Ziel der Veranstaltung ist es, Sport und Wirtschaft zusammenzubringen, noch besser zu verzahnen und zu zeigen, wie beide Bereiche voneinander profitieren können.

Nach einer Begrüßung durch Gregor Greinert, stellv. Vorstandsvorsitzender des Vereins, und den Hausherrn Lars Lamadé (SAP SE), begann das Netzwerktreffen mit einem Impulsvortrag von Dr. Arno Schimpf, der seit 30 Jahren erfolgreicher Coach im Spitzensport und von Führungskräften und Unternehmen ist. Sowohl Spitzensportler als auch Führungskräfte sind einem enormen mentalen Druck ausgesetzt, sie müssen auf den Punkt abliefern, positive Ergebnisse erzielen und herausstechen – und das Ganze in einem weiten Feld von Konkurrenten. Was dabei den Gewinner vom Verlierer unterscheidet, ist laut Dr. Schimpf ganz klar die mentale Stärke, denn „Erfolg beginnt im Kopf“. Er erzählt von einem Gespräch mit dem amerikanischen Schwimmer Michael Phelps, erfolgreichster Olympionike der Welt, der ihm Einblicke in seine Erfolgsgeschichte gewährt hat. Phelps zufolge beträgt der Unterschied zwischen Gewinner und Verlierer nicht mehr als 10 Zentimeter. Doch damit ist nicht etwa die Distanz zum Ersten beim Überqueren der Ziellinie gemeint, sondern der Abstand zwischen den beiden Ohren. Erfolg manifestiert sich demnach im Gehirn, in der mentalen Stärke eines Sportlers: „Das ist das, was den Unterschied von Gewinner und Verlierer wirklich ausmacht“, so führt Schimpf weiter aus. Dazu gehört auch, sich nicht unterkriegen zu lassen – eine Lektion, die für Sportler und Unternehmer essenziell ist: „Du verlierst nie – entweder du gewinnst oder du lernst“, berichtet der Experte. Es sei wichtig, sich das stets vor Augen zu führen, denn an Herausforderungen wächst die Persönlichkeit und auch der Wille, noch schneller, besser und erfolgreicher zu sein.

Nachdem die Besonderheiten von Spitzensportlern und Führungskräften aufgezeigt worden waren, ging es in der Talkrunde - geleitet von Stephanie Wirth, Geschäftsführerin der Sportregion Rhein-Neckar - um die Herausforderungen und Vorteile einer dualen Karriere im Spitzensport und Beruf. Denn auch für die Besten der Besten – Olympioniken und Weltmeister – reicht der Sport im Regelfall nicht zum Überleben aus. Auch wenn die Metropolregion Rhein-Neckar mit dem bundesweit einzigartigen Modell des Spitzensportstipendiums an den Universitäten Mannheim und Heidelberg Sportlerinnen und Sportlern eine optimale Möglichkeit zur Vereinbarung von Spitzensport und Studium bietet, bleibt es dennoch aufgrund der hohen Zeitintensität des Leistungssports oftmals schwierig, den Grundstein für die berufliche Zukunft zu legen. Die duale Karriere kann in der Regel nur mit langfristiger Planung erfolgreich sein, sofern die Rahmenbedingungen in den Schulen, Hochschulen, Ausbildungs- und Anstellungsbetrieben möglichst verbindlich auf die Anforderungen des Spitzensports ausgerichtet werden. Insbesondere durch die Anstrengungen der Sport- und Metropolregion sind in der Rhein-Neckar-Region engagierte Akteure und innovative Konzepte wie der Olympiastützpunkt Metropolregion Rhein-Neckar und Partnerbetriebe des Spitzensports vorhanden, die die Koordination von Leistungssport und beruflichem Erfolg ermöglichen. Dies ist ein weiteres Ziel des Unternehmertreffens: das Netzwerk an sportaffinen und unterstützenden Unternehmen in der Region zu erweitern und so die Möglichkeiten für eine erfolgreiche berufliche Karriere von Sportlerinnen und Sportlern noch weiter auszubauen.

Darüber, wie es gelingen kann, der Doppelbelastung aus Spitzensport und Beruf standzuhalten, berichteten mehrere Spitzensportler aus der Region. Die 24-jährige Fußballerin beim Erstligisten TSG 1899 Hoffenheim, Jana Beuschlein, erzählt, dass es im Gegensatz zu den gut bezahlten Männern im Fußball, für Frauen in der Bundesliga meist nicht möglich sei, von ihrer Leidenschaft zu leben. Beuschlein hat ihr duales Studium im Jahr 2017 erfolgreich abgeschlossen und ist nun Angestellte in der Marketing and Sales Abteilung im Palatin Kongresshotel und Kulturzentrum in Wiesloch. Dies bringe viele neue Herausforderungen aber auch Abwechslung in ihren Alltag als Spitzensportlerin. Ähnlich bei Ex-Profihandballer und Trainer Holger Löhr: Er ist momentan bei SAP als Teamkoordinator im Personalmanagement tätig. Seine Teilzeitbeschäftigung von 80 Prozent ermöglicht ihm, seiner Trainertätigkeit weiter nachzugehen. Ehemaliger Torwart des FC Astoria Walldorf, Jürgen Rennar, erzählt, wie er „die härteste Zeit seines Lebens“ gemeistert hat. Zeitgleich zu seiner Sportkarriere studierte er dual Betriebswirtschaftslehre an der DHBW Mannheim und ist jetzt bei SAP mit der Umsetzung strategischer Projekte im Bereich Mobilität beauftragt sowie Verantwortlicher für Finanzprojekte über globale Zentralisierungsthemen bis hin zu Themen rund um Nachhaltigkeit.

Aber auch für die Unternehmen bedeuten die Spitzensportler einen großen Zuwachs. Denn auch wenn es durchaus ein Kostenfaktor ist, den jungen Athleten, die weniger Zeit im Unternehmen verbringen und deren Ausbildung daher länger dauert, einen Arbeitsplatz zu stellen, bringen sie insbesondere durch ihren Ehrgeiz, ihre Zielstrebigkeit und ihren Teamgeist viele wichtige Charaktereigenschaften mit in das Unternehmen. Matthias Eckstein, Geschäftsführer des Palatin Kongresshotel und Kulturzentrum, und Lars Lamadé, Head of Sponsorship EMEA & Asia, teilten ihre positiven Erfahrungen mit Leistungssportlern in ihrem Unternehmen. Spitzensportler seien loyal und dankbar, wenn man ihnen ermöglicht, Sport und Beruf miteinander zu verbinden. Eine Investition in Verständnis und Flexibilität könne sich auch für den Arbeitgeber vor allem in den Jahren nach der aktiven Sportlerlaufbahn vielfach auszahlen.

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Foto: Tobias Dittmer